Ratgeber

Lotto vs. Altersvorsorgedepot: 30 Jahre, 3 Spieler-Typen

~9 Min. Lesezeit · Veröffentlicht: 12.05.2026 · Stand: Mai 2026

Am 8. Mai 2026 hat der Bundesrat die Reform der privaten Altersvorsorge durchgewinkt. Ab 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Schöne Nachricht. Aber was bedeutet das eigentlich für jemanden, der seit dreißig Jahren jede Woche einen Lottoschein abgibt? Wir haben drei Spielertypen gegen 30 Jahre echte Ziehungen laufen lassen und das Ergebnis mit ETF, Riester und dem neuen Altersvorsorgedepot verglichen. Vorweg: Klaus, Petra und Heinz schauen sich gerade ihre Bilanzen an. Eine davon ist sehr still geworden.

Was ist eigentlich passiert?

Die Bundesregierung hat Riester durch ein neues, ETF-basiertes Anlageprodukt ersetzt. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Inkrafttreten: 1. Januar 2027. Das Altersvorsorgedepot kommt ohne Garantievorgabe, mit einer staatlichen Zulage (50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag, 25 % auf weitere bis 1.800 €), einem Kostendeckel von 1 % Effektivkosten beim Standardprodukt (im parlamentarischen Verfahren von ursprünglich 1,5 % gesenkt) und ist anders als Riester auch für Selbstständige offen. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, Neuabschlüsse gibt es ab 2027 nur noch im neuen System.

Hier geht es darum, was diese Reform für drei sehr konkrete Spieler bedeutet hätte, wenn sie schon 1996 existiert hätte.

Lernen wir Klaus, Petra und Heinz kennen

Drei Profile, drei Spielmuster, drei Wocheneinsätze. Alle drei spielen seit Mai 1996. Wir rechnen bis April 2026, also 30 volle Jahre.

Klaus, der Sparsame. Ein Tippfeld, immer dieselben Zahlen (Hochzeitstag, Geburtstag der Frau, Hausnummer). Spielt nur am Samstag, keine Zusatzlotterien. Sein Wocheneinsatz heute liegt bei rund 1,40 € (1 Tipp × 1,20 € + 0,20 € Bearbeitungsgebühr pro Schein). „Ich tipp halt seit '95 die gleichen Zahlen. Aufhören wär doch irgendwie schade."

Petra, die Gelegenheitsspielerin. Sechs Tippfelder, Samstag, keine Zusatzlotterien. Wenn schon spielen, dann ein paar Reihen mehr. Wocheneinsatz heute rund 7,40 € (6 Tipps × 1,20 € + 0,20 € BG pro Schein). „Sechs Reihen, das fühlt sich ehrlicher an als nur eine. Mehr Chancen, oder?"

Heinz, der Hoffnungsvolle. Zwölf Tippfelder, Mittwoch und Samstag, mit Spiel 77 und Super 6. Wocheneinsatz heute rund 32,95 € (zwei Wochenscheine à 12 Tipps × 1,20 € + 0,20 € BG = je 14,60 €, plus 3,75 € für die Zusatzlotterien einmal pro Woche). „Diese Woche knack ich den Jackpot, ich spür's. Wenn nicht diese, dann die nächste."

Spielprofil Klaus Petra Heinz
Tippfelder pro Schein 1 6 12
Ziehungstage Sa Sa Mi + Sa
Zusatzlotterien keine keine Spiel 77 + Super 6
Wocheneinsatz heute ~1,40 € ~7,40 € ~32,95 €
Real eingesetzt in 30 Jahren 1.765 € 9.177 € 39.770 €

Der reale 30-Jahres-Einsatz liegt unter dem, was die heutigen Wocheneinsätze hochgerechnet vermuten lassen. Grund: Tippscheine waren in den 90ern und 2000ern günstiger. Klaus' Calculator-Einsatz schlägt heute mit 1,20 € pro Tipp zu Buche, 1996 lag er noch bei 0,77 €. Die Bearbeitungsgebühr fällt einmal pro Schein an und liegt je nach Bundesland zwischen 0,20 € (Lotto Hessen online) und rund 0,60 € (Niedersachsen, Schleswig-Holstein). Wir rechnen mit dem Lotto-Hessen-Online-Wert von 0,20 € ab Mai 2013 (Spielreform) und 0,25 € in der Euro-Ära 2002–2013. Für die DM-Jahre vor 2002 setzen wir die BG zur Vereinfachung auf 0 €, weil sie damals entweder im Tippeinsatz mitkalkuliert oder regional vernachlässigbar war.

Vier Wege, dasselbe Geld unterzubringen

Wir nehmen Klaus', Petras und Heinz' realen 30-Jahres-Einsatz und jagen ihn durch vier Szenarien. Die Frage bei jedem: was hätte am Ende rausgekommen, wenn dieses Geld nicht im Lottoschein, sondern anderswo gelandet wäre?

1. Lotto gespielt. Echte Bilanz aus unserem Calculator gegen alle 2.886 Ziehungen zwischen Mai 1996 und April 2026 (1.563 Samstags-Ziehungen plus 1.323 Mittwochs-Ziehungen seit der Zusammenführung von Mi- und Sa-Ziehung zu einem gemeinsamen Jackpot im Dezember 2000). Mit echten Quoten pro Gewinnklasse.

2. ETF-Sparplan. S&P 500 Total Return als Proxy für einen breiten Welt-ETF. Monatliche Sparrate gleich dem Wocheneinsatz mal 52 geteilt durch 12. Wir ziehen pauschal 0,2 % laufende Kosten (TER) ab. Die Vorabpauschale lassen wir weg, weil sie das Bild nur vernebelt.

3. Riester-Sparplan. Für 1996 bis 2001 modellieren wir eine klassische private Rentenversicherung mit 3 % pro Jahr, ohne Zulage. Ab 2002 echte Riester-Logik mit 2,5 % Nettorendite nach Kosten plus 175 € Grundzulage pro Jahr. Die Nettorendite klassischer Riester-Verträge liegt nach den Riester-Tests der Stiftung Warentest und Analysen der Verbraucherzentrale typischerweise zwischen 1 % und 3 % pro Jahr — abhängig von Produkttyp, Anbieter und Kostenstruktur. 2,5 % ist also eine eher freundliche Annahme im oberen Drittel dieser Spanne. Bei Klaus reduziert sich die Zulage proportional, weil sein Jahresbeitrag unter dem 60 €-Sockelbeitrag aus § 86 EStG liegt. Kinderzulagen lassen wir der Vergleichbarkeit halber weg.

4. Altersvorsorgedepot (ab 2027). Wir tun so, als hätte es das Produkt schon 1996 gegeben. Eigenbeitrag plus Zulage nach 50/25-Staffel fließen monatlich in dieselben S&P-500-Werte wie der ETF-Sparplan. Wir rechnen mit dem gesetzlichen Kostendeckel von 1 % pro Jahr. Klar: eine Rückrechnung mit einem Produkt, das erst 2027 startet, ist hypothetisch. Aber sie zeigt, was die Mechanik aus den letzten 30 Jahren gemacht hätte.

Drei Bilanzen nach 30 Jahren

Klaus Petra Heinz
Eingesetzt 1.765 € 9.177 € 39.770 €
Lotto-Bilanz 492 €
(−1.273 €)
2.774 €
(−6.403 €)
13.146 €
(−26.623 €)
ETF-Endwert 9.681 €
(+7.915 €)
50.326 €
(+41.149 €)
218.090 €
(+178.320 €)
Riester-Endwert 8.259 €
(+6.494 €)
19.456 €
(+10.278 €)
65.215 €
(+25.445 €)
Altersvorsorgedepot (modelliert) 12.690 €
(+10.925 €)
65.972 €
(+56.795 €)
251.184 €
(+211.414 €)

Werte gerundet. Lotto-Bilanzen aus echten Ziehungen 05/1996 bis 04/2026, ETF aus Shiller-Daten S&P 500 Total Return. Riester- und Altersvorsorgedepot-Endwerte sind modelliert mit den im vorigen Abschnitt genannten Annahmen. Das Altersvorsorgedepot startet erst zum 1. Januar 2027; die Werte sind hypothetisch auf den Zeitraum 1996 bis 2026 rückgerechnet.

Klaus: kleines Spiel, kleiner Schaden

Klaus hat in dreißig Jahren rund 1.765 € in Lottoscheine gesteckt und davon 492 € zurückbekommen. Macht eine Bilanz von minus 1.273 €. Das ist kein Drama. Klaus könnte sagen: „Eineinhalb Euro die Woche für drei Tage Hoffen pro Schein, da ging schon mehr Geld auf anderen Wegen verloren." Stimmt auch.

Hätte er dieselben 1.765 € über die Jahre in einen ETF-Sparplan verteilt, läge sein Depot heute bei rund 9.681 €. Plus 7.915 € statt minus 1.273 €. Das ist ein neuer Gebrauchtwagen.

Beim Altersvorsorgedepot wären es sogar 12.690 € geworden. Bei Klaus' kleinem Jahresbeitrag wirkt die staatliche Zulage besonders stark, weil sie relativ zur Einzahlung riesig ist. Riester schneidet mit 8.259 € ähnlich gut ab, allerdings landet Klaus mit seinen ~59 €/Jahr knapp unter dem Sockelbeitrag, also kürzt der Staat seine Zulage etwas. Realistisch hätte Klaus auf 60 €/Jahr aufgestockt, dann wäre die volle Zulage geflossen.

Klaus verliert in seiner Liga am wenigsten. Aber er gewinnt auch nie so richtig. Das Spielen war billige Routine, der Verzicht aufs Sparen war der eigentliche Preis.

Petra: das wäre ein neues Bad gewesen

Petras sechs Tippfelder pro Woche summieren sich auf 9.177 € realen Einsatz in 30 Jahren. Zurück kamen 2.774 €. Bilanz: minus 6.403 €. Über sechs Tausender, verteilt auf 1.563 Samstage. Pro Samstag hat Petra im Schnitt 5,87 € Lotterieausgaben gemacht und 1,78 € Gewinn zurückbekommen.

Im ETF-Sparplan wären aus denselben 9.177 € heute 50.326 € geworden. Plus 41.149 €. Das ist ein neues Bad, ein gebrauchtes Auto und eine Reise nach Japan zusammen. Beim Altersvorsorgedepot sind es 65.972 €, gut 15.600 € mehr als beim reinen ETF, weil die staatliche Zulage jedes Jahr mitwächst.

Riester hat bei Petra die geringste Endsumme von den drei Sparalternativen: 19.456 €. Immer noch besser als Lotto, aber weit weg vom ETF- oder Depot-Wert. Grund: die niedrige modellierte Rendite von 2,5 % nach Kosten hängt langfristig hinter dem Aktienmarkt zurück. Und ja, in den 30 Jahren waren auch Crashs dabei (2000, 2008, 2020). Trotzdem schlägt der ETF in jedem Anlagezeitraum mit dieser Laufzeit den Garantiesparvertrag.

Petras Spiel war nie ruinös. Aber sie hat in 30 Jahren das Äquivalent einer kompletten Badsanierung an einem Samstag-Reflex vorbeiziehen lassen.

Heinz: das wäre ein Häuschen gewesen

Heinz spielt zweimal die Woche, zwölf Tippfelder, plus Spiel 77 und Super 6. Macht 39.770 € realen Einsatz in 30 Jahren. Davon entfallen 33.920 € auf Lotto 6aus49, 5.850 € auf die Zusatzlotterien (zu heutigen Preisen modelliert, mit der branchenüblichen 50 %-Rückfluss-Annahme). Zurückbekommen hat er insgesamt 13.146 €. Bilanz: minus 26.623 €.

Das ist die Summe, mit der ein junges Paar heute eine Eigentumswohnung anzahlt. Heinz hat sie auf 2.886 Mittwoche und Samstage verteilt, Schein für Schein, immer in der festen Überzeugung, dieses Mal sei sein Mal.

Im ETF-Sparplan wären aus denselben 39.770 € heute 218.090 € geworden. Beim Altersvorsorgedepot 251.184 €. Differenz zur realen Lotto-Bilanz: knapp 278.000 €. Das ist kein Bad und kein Auto. Das ist, je nach Wohnort, ein Reihenhaus, eine schuldenfreie Eigentumswohnung oder ein veritabler Ruhestand mit Reservepolster. Heinz hatte 30 Jahre Zeit, sein eigenes Haus zu kaufen. Er hat stattdessen 30 Jahre lang sein Glück gemietet.

Klaus' Bilanz ist eine Frage des Komforts. Heinz' Bilanz ist eine biografische Weiche.

Warum das Altersvorsorgedepot in dieser Rückrechnung am besten abschneidet

Drei einfache Hebel, die zusammenwirken.

Zinseszins über 30 Jahre. Aus jedem Euro, der heute in einen breiten Aktienindex fließt, werden bei langfristig ~7 % Bruttorendite über 30 Jahre rund 7,60 €. Der MSCI World hat seit Auflage 1970 bis 2024 auf Eurobasis durchschnittlich 7,7 % p. a. erzielt — keine Garantie für die nächsten 30 Jahre, aber ein verwendbarer Langfrist-Größenwert. Bei 10 € pro Woche kommen am Ende der Laufzeit deutlich mehr als die Hälfte des Endwerts aus „Zinsen auf Zinsen". Lotto kann das nicht, weil ein Tipp keine Verzinsung hat. Er gewinnt oder er gewinnt nicht.

Staatliche Zulage als Eigenkapital-Verdoppler bei kleinen Beiträgen. Bei den ersten 360 € pro Jahr legt der Staat 50 % drauf. Das ist eine sofortige 50 %-Rendite, die der Markt erst gar nicht erbringen muss. Bei Klaus mit ~59 €/Jahr ist die Zulage rechnerisch sogar größer als sein eigener Beitrag, sobald er den Sockelbetrag erreicht. Das ist die Mathematik, die kein privates Investmentprodukt schlagen kann.

Kostendeckel beim Standardprodukt. Klassische Riester-Produkte hatten oft 2 bis 3 % Gesamtkosten pro Jahr. Auf 30 Jahre verschluckt das einen erheblichen Teil der Rendite. Mit 1 % Kostendeckel beim Altersvorsorgedepot ist das deutlich günstiger. Beim ETF-Sparplan landen wir typisch sogar bei 0,2 % TER, dafür gibt es dort keine staatliche Zulage. In Summe spielt das Depot beide Vorteile aus.

Theoretischer Rückblick. Vergangene Renditen sind keine Garantie für zukünftige Erträge.

Bevor du jetzt euphorisch wirst: was diese Rechnung nicht zeigt

Die Zahlen oben sind nicht falsch. Sie sind eine reale historische Rechnung mit echten Daten. Aber sie sind auch nicht die ganze Wahrheit. Heinz' 251.184 € im Altersvorsorgedepot wären nicht 251.184 € in heutigen Brötchen. Und der S&P 500, der seit 1996 so wunderbar gestiegen ist, garantiert nicht, dass er das die nächsten 30 Jahre auch tut. Sieben Punkte, die wir nicht unterschlagen wollen.

1. Inflation frisst nominal viel weg

Alle Zahlen oben sind nominal, nicht inflationsbereinigt. Die Verbraucherpreise sind in Deutschland von Mai 1996 bis April 2026 laut Destatis-Verbraucherpreisindex um rund 74 % gestiegen (Index 71,9 → 125,2 bei Basis 2020=100), das entspricht etwa 1,87 % Inflation pro Jahr und einem Kaufkraftverlust von rund 43 %. Real, gemessen in der Kaufkraft von 1996, entsprechen Heinz' nominale 251.184 € heute also nur noch rund 144.200 €. Sein ETF schrumpft real auf rund 125.200 €, Petras AVD auf 37.900 €, Klaus' AVD auf 7.300 €. Immer noch deutlich besser als die Lotto-Bilanz (die übrigens genauso inflationsgeschwächt ist), aber spürbar weniger als die nackte Zahl glauben macht.

2. Das Altersvorsorgedepot existiert noch nicht

Wir rechnen mit einem Produkt, das am 1. Januar 2027 erst startet. Welche ETFs konkret zulässig sind, welche Anbieter mit welchen Kostenstrukturen an den Markt gehen, wie die Auszahlungsphase geregelt wird, wie Wechsel zwischen Anbietern funktionieren: bei jedem dieser Punkte stehen Details aus. Wir haben mit den Eckwerten des Gesetzes gerechnet. Die Realität kann anders aussehen.

3. Politik kann morgen anders aussehen als heute

Riester wurde 2002 als „die Lösung" eingeführt und 2027 wieder abgewickelt. Die 50/25-Staffel-Zulage beim Altersvorsorgedepot ist heutiges Gesetz, keine Verfassungsgarantie. Eine künftige Regierung kann an Förderhöhen, Kostendeckel oder Auszahlungsbedingungen schrauben. Wer mit 30 Jahren ungebrochener Förderung kalkuliert, geht eine politische Wette ein, nicht nur eine wirtschaftliche.

4. Drawdowns sind real und psychologisch brutal

In den 30 Jahren unserer Rechnung hat der S&P 500 Total Return mehrfach heftig nachgegeben. In Monatswerten aus unserer Datenbasis: Dotcom-Crash 2000 bis 2003 −41,6 % (an Tagesständen rund −47 %), Finanzkrise 2007 bis 2009 −49,0 % (an Tagesständen rund −55 %), Corona-Crash 2020 −18,9 % (an Tagesständen rund −34 %), Inflations-Schock 2022 −19,3 %. Die Tabelle oben zeigt nur den Endwert. Sie zeigt nicht, dass Heinz auf dem Weg dorthin mehrfach gut die Hälfte seines Depotwerts auf dem Papier verloren und ausgehalten haben müsste. Wer in solchen Phasen panisch verkauft, ruiniert seine Bilanz.

5. Sequenz-Risiko: wann der Crash kommt, entscheidet

Ein Crash am Anfang der Sparphase ist verkraftbar, weil man dann günstig nachkauft. Ein Crash kurz vor Rentenbeginn vernichtet Jahre der Aufbauarbeit. Wer von 2000 bis 2008 gespart hat, war nach acht Jahren Disziplin oft im Minus. Wer 2008 in Rente ging und Liquidität brauchte, hatte schlicht Pech mit dem Zeitpunkt. Heinz' schöne Endsumme setzt voraus, dass er April 2026 mit dem Geld nichts dringend anfangen muss.

6. Das Geld ist gebunden, nicht verfügbar

Anders als ein normaler ETF-Sparplan ist das Altersvorsorgedepot ein Vorsorgeprodukt. Vorzeitige Entnahme ist mit Verlusten oder gar nicht möglich, in der Auszahlungsphase greift ein Korsett aus Rentenmodellen und Steuerregeln. Wer das Geld vor Rentenbeginn braucht (Hauskauf, Krankheit, Arbeitslosigkeit), hat ein Problem. Diese Illiquidität ist in keiner Tabelle abgebildet. Bei einem Lottoschein hatte man wenigstens drei Tage Tagträumerei pro Woche.

Auch am Ende ist die Wahlfreiheit begrenzt: Eine reine Einmalauszahlung sieht das Gesetz nicht vor. Die Auszahlungsphase erfolgt entweder als lebenslange Rente oder als Auszahlplan mit Restverrentung ab einem festgelegten Alter. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass dadurch ein Teil des Rendite-Vorsprungs aus der Aktien-Sparphase in der Verrentungsphase wieder verloren gehen kann, insbesondere wenn die Restverrentung in eine klassische, niedrig verzinste Versicherungslösung mündet.

7. Vergangenheit ist keine Garantie

Wir rechnen mit S&P-500-Daten aus 1996 bis 2026. Das war eine außergewöhnliche Aufwärtsphase der westlichen Kapitalmärkte. Der japanische Nikkei brauchte vom Hochpunkt 1989 rund 34 Jahre, um wieder auf Stand zu kommen. Ob die nächsten 30 Jahre dem westlichen Muster folgen oder dem japanischen, weiß niemand. Demografie, Geopolitik, Energie, KI, all das kann die Karten neu mischen.

Heißt das, ETF und Altersvorsorgedepot sind doch nicht so toll? Doch, im Erwartungswert sind sie es. Aber „im Erwartungswert" macht aus 251.184 € keine Garantie. Es macht sie zur mit Abstand wahrscheinlicheren Bilanz im Vergleich zu Heinz' tatsächlichem Lotto-Minus von 26.623 €. Lotto ist eine Wette mit kalkulierbar schlechtem Erwartungswert. ETF und Altersvorsorgedepot sind Wetten mit deutlich besserem Erwartungswert, aber eben auch Wetten. Die Eule findet: lieber die Wette mit der besseren Mathematik. Sie will euch aber nicht erzählen, dass es keine ist.

Was Klaus, Petra und Heinz jetzt eigentlich tun könnten

Drei Dinge sind klar.

  • Wer einen Riester-Vertrag hat, muss nichts überstürzen. Bestehende Verträge laufen weiter, mit ihrer Förderung und ihrem Garantieversprechen.
  • Ab 2027 kann freiwillig ins Altersvorsorgedepot gewechselt werden. Wer überlegt zu wechseln, sollte sich neutral beraten lassen (Verbraucherzentrale oder Stiftung Warentest).
  • Wer noch gar nichts macht: die Reform vergrößert das Spielfeld. Selbstständige sind erstmals dabei, der Kostendeckel macht das Standardprodukt günstig, ein ETF-Sparplan ohne staatliche Förderung bleibt die kostengünstigste Variante.

Wer wissen will, wie die eigenen Lottozahlen über die Jahre tatsächlich gelaufen sind, kann das auf der Startseite mit den eigenen Zahlen und Zeiträumen durchrechnen lassen. Der Rechner nutzt dieselbe Datenbasis wie dieser Artikel.

FAQ

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein ab 1. Januar 2027 verfügbares, staatlich gefördertes Anlageprodukt für die private Altersvorsorge. Es ersetzt die Riester-Rente. Im Kern ist es ein ETF- oder Aktien-Depot ohne Garantievorgabe, mit Zulagen vom Staat und einem Kostendeckel von 1 % beim Standardprodukt.

Wann startet das Altersvorsorgedepot?

Am 1. Januar 2027. Der Bundesrat hat dem Altersvorsorgereformgesetz am 8. Mai 2026 zugestimmt, die Anbieter haben rund acht Monate Zeit, ihre Produkte aufzulegen. Quelle: Bundestag, Pressemitteilung zur Abstimmung.

Wird die Riester-Rente abgeschafft?

Für Neuabschlüsse ja, ab 2027 wird kein neuer Riester-Vertrag mehr gefördert. Bestehende Verträge laufen weiter und behalten ihre staatliche Förderung. Ein Wechsel ins neue System ist freiwillig möglich. Quelle: Bundesregierung, Reform-FAQ.

Kann ich meinen Riester-Vertrag behalten?

Ja. Alle bestehenden Riester-Verträge laufen mit den ursprünglich vereinbarten Bedingungen und Zulagen weiter. Wer wechseln will, muss aktiv kündigen oder beitragsfrei stellen und einen neuen Altersvorsorgedepot-Vertrag abschließen. Quellen: Bundesregierung, Reform-FAQ; Verbraucherzentrale, Riester-Rente.

Wer kann ein Altersvorsorgedepot abschließen?

Grundsätzlich alle in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtigen, anders als bei Riester ohne Beschränkung auf gesetzlich Rentenversicherte. Auch Selbstständige und Freiberufler können das Altersvorsorgedepot nutzen. Quelle: BMF, Eckpunktepapier.

Welche Kosten fallen beim Standardprodukt an?

Der Gesetzgeber hat für das staatliche Standardprodukt einen Kostendeckel von 1 % Effektivkosten pro Jahr festgeschrieben. Andere Anbieter dürfen teurer sein, müssen ihre Kostenstruktur aber transparent ausweisen. Zum Vergleich: bestehende Riester-Produkte lagen oft bei 2 bis 3 % Gesamtkosten. Quellen: Bundestag, PM zur Abstimmung (1 %-Deckel im Finanzausschuss verschärft); Stiftung Warentest zu Riester-Kosten.

Lohnt sich Lotto im Vergleich zur privaten Altersvorsorge?

Mathematisch nein. Lotto schüttet rund 50 % der Einsätze als Gewinne aus, der Rest geht an Gebühren, Steuern und gemeinnützige Zwecke. Im Erwartungswert verlierst du pro Euro Einsatz rund 50 Cent. Ein ETF-Sparplan oder ein Altersvorsorgedepot liefert über 30 Jahre statistisch das Vier- bis Achtfache zurück. Lotto ist Unterhaltung mit Preisschild, kein Sparplan. Wer beides will, kann das machen: das Spielbudget vom Sparbudget trennen. Quelle: lotto.de, Spielregeln und Auszahlungsquote.

Können Selbstständige das Altersvorsorgedepot nutzen?

Ja. Anders als bei Riester ist der Kreis der Berechtigten nicht mehr auf gesetzlich Rentenversicherte beschränkt. Selbstständige, Freiberufler und Beamte können ab 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen und die Zulagen sowie den Steuervorteil nutzen. Quelle: BMF, Eckpunktepapier.

Hinweis: keine Anlageberatung

Dieser Artikel ist Information, keine individuelle Anlageempfehlung. Vergangene Renditen sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Die Modellrechnungen zum Altersvorsorgedepot sind hypothetisch (das Produkt startet erst 2027). Wer eine Entscheidung trifft, sollte sich neutral beraten lassen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder über die unabhängigen Tests von Stiftung Warentest.

Quellen

Reform der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgedepot)

Riester-Rente (Rendite, Kosten, Sockelbeitrag)

Lotto 6aus49 (Ziehungen, Quoten, Tippkosten)

ETF-Datenbasis (S&P 500 Total Return)

Inflation (Kaufkraft-Berechnung in der Risiken-Sektion)

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