Lotto 6aus49 in Schleswig-Holstein
Spielvolumen, Großgewinne und Einordnung im Bundesvergleich 2024.
Pro-Kopf-Werte sind über alle Einwohner gemittelt, inklusive Säuglingen, Kindern und Nicht-Spielern. Wer tatsächlich Lotto spielt, gibt im Schnitt deutlich mehr aus.
Großgewinne 2024
5 Millionengewinne ab 1 Mio. Euro. Das sind 1,7 pro Million Einwohner (Platz 12 von 16).
Zugeordnet nach Spielort, nicht nach Wohnort der Gewinner.
Sparquote
11,0 Prozent (Stand 2022, Quelle: VGRdL).
Was die Eule dazu sagt
Schleswig-Holstein ist eine leise Überraschung in der Lotto-Statistik. Mit 47 Euro pro Kopf liegt das nördlichste Bundesland 2024 auf Platz 2 von 16, direkt hinter dem Saarland (57 Euro) und vor Niedersachsen (45 Euro). Beim Anteil am verfügbaren Einkommen sind das 0,16 Prozent, ebenfalls oberer Mittelfeld. Das ist insofern auffällig, als Schleswig-Holstein wirtschaftlich nicht zu den Spitzenländern gehört und seine Sparquote mit 11,0 Prozent gleichzeitig auf Platz 5 der höchsten in Deutschland liegt.
Wie kann ein Bundesland mit relativ hoher Sparquote anteilig viel für Lotto ausgeben? Eine mögliche Erklärung ist die ländliche Struktur. In Schleswig-Holstein gibt es über 600 Lotto-Annahmestellen, was bei rund 2,9 Millionen Einwohnern eine vergleichsweise dichte Versorgung darstellt. Lotto ist im Norden flächendeckend präsent, was die Spielbereitschaft strukturell begünstigt. Eine andere mögliche Erklärung sind Pendler-Effekte mit Hamburg, wo manche Hamburger im Speckgürtel wohnen, aber im Norden spielen. Die Zahlen bleiben trotzdem ehrlich: Schleswig-Holstein spielt überdurchschnittlich.
Was Schleswig-Holstein lottotechnisch besonders macht, ist die Verteilungs-Architektur. Wie Bayern gehört Schleswig-Holstein zu den Bundesländern, in denen die Lotto-Mittel direkt in den Landeshaushalt fließen, ohne den Umweg über eine eigenständige Stiftung. NordwestLotto Schleswig-Holstein ist nicht selbst als Förderer aktiv. Wer eine Förderung sucht, muss sich direkt an die jeweiligen Fachministerien wenden. Branchenkenner kritisieren diese Struktur ähnlich wie das bayerische Modell als intransparent.
Was trotzdem an konkreten Zahlen sichtbar wird: 2017 wurden insgesamt 105 Millionen Euro an das Land Schleswig-Holstein abgeführt. Davon flossen 8 Millionen Euro in den Breitensport, 2,8 Millionen in Umwelt- und Naturschutz, 2,3 Millionen Euro an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege und den Deutschen Olympischen Sportbund.
Eine schleswig-holsteinische Besonderheit ist die ausdrückliche Schwerpunktsetzung auf den Breiten- und Behindertensport. In anderen Bundesländern wird der Behindertensport mitgefördert, in Schleswig-Holstein wird er als eigener Schwerpunkt genannt. Das passt zur soliden Tradition des Landes-Behindertensportverbands, der in der norddeutschen Sport-Landschaft eine vergleichsweise starke Stellung hat.
Ergänzend gibt es in Schleswig-Holstein die BINGO! Umweltlotterie mit eigener Förderrichtlinie, deren Zweckerträge gezielt für Naturschutz-, Umwelt- und Entwicklungsprojekte im Sinne der Agenda 2030 vergeben werden. Das macht Schleswig-Holstein zur BINGO-Familie zusammen mit Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, was zur norddeutsch-küstennahen Natur-Identität dieser Bundesländer passt.
Wer in Kiel, Flensburg oder Lübeck einen Schein abgibt, finanziert also einen Landeshaushalt, der intransparenter verteilt wird als in Stiftungsmodell-Bundesländern, aber konkrete Schwerpunkte hat. Behindertensport und Umweltschutz sind die zwei sichtbarsten Andockstellen.
Quellen
Primärquelle Spielvolumen: https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/8e/ea/616202/Lagebericht_JA_2024.pdf