Lotto 6aus49 in Baden-Württemberg

Spielvolumen, Großgewinne und Einordnung im Bundesvergleich 2024.

39 €
Pro Kopf pro Jahr
Platz 11 von 16
443 Mio. €
Spielvolumen gesamt
Platz 3 von 16
0,13 %
Anteil am verfügbaren Einkommen
Platz 13 von 16

Pro-Kopf-Werte sind über alle Einwohner gemittelt, inklusive Säuglingen, Kindern und Nicht-Spielern. Wer tatsächlich Lotto spielt, gibt im Schnitt deutlich mehr aus.

Großgewinne 2024

44 Millionengewinne ab 1 Mio. Euro. Das sind 3,9 pro Million Einwohner (Platz 2 von 16).

Zugeordnet nach Spielort, nicht nach Wohnort der Gewinner.

Sparquote

12,5 Prozent (Stand 2022, Quelle: VGRdL).

Was die Eule dazu sagt

Baden-Württemberg ist beim Lotto in einer interessanten Konstellation. Mit 39 Euro pro Kopf liegt das Land auf Platz 13 von 16, mit Hamburg, Bayern und Berlin gleichauf. Beim Anteil am verfügbaren Einkommen sind das nur 0,13 Prozent, einer der niedrigsten Werte aller Bundesländer. Absolut betrachtet bleibt Baden-Württemberg mit 443 Millionen Euro Spielvolumen aber das dritt- oder viertspielstärkste Bundesland Deutschlands.

Die niedrige anteilige Quote erklärt sich durch die wirtschaftliche Lage. Baden-Württemberg hat mit 12,5 Prozent die höchste Sparquote aller deutschen Bundesländer. Wer von jedem verdienten Euro mehr als zwölf Cent zurücklegt, gibt anteilig weniger für Lotto aus. Das ist eine konsistente Beobachtung: Bundesländer mit hohen Sparquoten (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen) liegen in der Lotto-Quote im hinteren Drittel.

Was Baden-Württemberg lottotechnisch einzigartig macht, ist die Geschichte der Gemeinwohl-Förderung. Hier liegt der älteste organisierte Lotto-Förderfonds Deutschlands. Am 18. August 1948 beschloss die Regierung von Württemberg-Baden mit Gesetz Nr. 527 den Wettmittelfonds, aus dem ein Teil der Sportwetten-Einsätze zur "Förderung der Leibesübungen" verwendet werden sollte. Hintergrund waren die durch den Krieg zerstörten Sportstätten, die wieder aufgebaut werden mussten. Das macht den Wettmittelfonds zur ältesten kontinuierlichen Lotterieförderung Deutschlands, älter als das eigentliche 6aus49-Lotto, das in Baden-Württemberg erst zehn Jahre später 1958 eingeführt wurde.

Aus diesem Wettmittelfonds sind seit 1948 rund 17 Milliarden Euro für die Allgemeinheit zusammengekommen. Aktuell fließen aus jedem in Baden-Württemberg eingesetzten Euro etwa 13 Cent in den Fonds. Für 2026 entspricht das rund 160,4 Millionen Euro für Sport, Kultur, Denkmalschutz, soziale Projekte, Naturschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Der Landtag bestimmt alle zwei Jahre über die Höhe und Verteilung, die konkrete Vergabe machen die jeweiligen Fachministerien.

Eine konkrete Andockstelle der Förderung ist die starke Sportvereins-Landschaft. Jede oder jeder Dritte in Baden-Württemberg ist in einem Sportverein aktiv, insgesamt gibt es im Land mehr als 11.000 Sportvereine. Knapp die Hälfte der Wettmittelfonds-Mittel kommt dem Sport zugute. Wer in Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg einen Schein abgibt, finanziert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine neue Beleuchtung für den Sportplatz im Nachbarort oder die Sanierung einer alten Schwarzwald-Vereinsgaststätte.

Eine ehrliche Eulen-Beobachtung am Rand: Im Lotto-Gesetz von 1958 wurde im Landtag teils heftig gerungen. Es gab moralische Bedenken in Politik und Kirchen. Erst nach längerer Debatte beauftragte das Finanzministerium die damalige Staatliche Sport-Toto GmbH mit der Durchführung des Zahlenlottos. Andere Bundesländer waren da schon seit 1955 dabei. Diese frühe Vorsicht passt zur baden-württembergischen Sparkultur und zur niedrigen Lotto-Quote bis heute: Wer sich Gedanken über das Lottospielen macht, spielt auch tendenziell weniger.

Quellen

Primärquelle Spielvolumen: https://www.lotto-bw.de/unternehmen/presse/mitteilungen/pressdetail-039296